
Diese kleinen Kostbarkeiten selbst herzustellen ist aufwendig. Die Mühe lohnt sich aber. Und wer es mit den richtigen Tipps und Freunden zusammen macht, bei dem vergeht die Zeit wie im Fluge.
Das Rezept für die kleinen Schatztruhen habe ich seit langem; von einem Freund aus Taiwan. In kleinen Mehl- und Teig-Schlachten haben er und ich die kleinen Dinger gemeinsam hergestellt. In meiner Familie gibt es wahrscheinlich kein Gericht, dass die Kinder mehr begeistert. Vielleicht weil sie selten im Speiseplan stehen. Für den Alltag sind sie zu aufwendig.
Gestern Abend waren wir mit Freunden im Pot Hot. Einem Mini-Restaurant für chinesische Straßenküche. Wir waren zu einem Kochkurs angemeldet. Als ich den mit Werkzeugen ausgestatteten Tisch sah, schwante mir schon, was wir machen würden: Jiaozi (餃子) standen auf dem Stundenplan; Die »Kleinen Schatztruhen« oder »Chinesische Maultaschen« genannt.
Chefköchin Weichen Xia hatte die wichtigsten Dinge mit ihren beiden Helferinnen vorbereitet: den Teig und die Füllung. Und obwohl ich die kleinen Teigtaschen schon selbst gemacht habe, konnte ich einige wichtige Details dazu lernen:
- dass der Teig erst richtig durchgeknetet ist, wenn er eine samtene Konsistenz hat und elastisch ist. Er darf beim Überdehnen in verschiedene Richtungen nicht reissen.
- dass es beim Mehl für den Teig weniger auf die Typenbezeichnung ankommt, sondern auf einen möglichst niedrigen Eiweißgehalt (kleiner als 11g pro 100g).
Und der Teig war klasse. So eine Konsistenz habe ich selbst noch nie hinbekommen. Er ließ sich wunderbar verarbeiten. Und endlich habe ich verstanden wie ich die Teigtaschen in eine schöne und gleichmäßige Form bringen kann. – Begeistert war ich auch von der Zubereitungsvariante die Teigtaschen zu ‚brat-dämpfen‘: Durch mit Stärke angereichertem Wasser (10g Stärke auf 400 ml Wasser), werden sie zum Schluss, wenn das ganze Wasser verdampft ist, sehr knusprig. Aber da die Teigtaschen nur auf einer Seite angebraten werden, behalten sie das feine Aroma, dass ich an der gedämpften Variante mag.

Was mir am Rezept meines Freundes besser gefällt, ist die Füllung und die Sauce zum Dippen. Aber da gestern genügend Teig übrig war, konnte ich heute erneut (mit begeisterten und schwärmenden Kindern und der etwas anderen Rezeptur) üben.
Wer sich den Aufwand selbst nicht ‚antun‘ möchte, kann die kleinen Teigtaschen auch im Pot Hot bestellen. Aber ich denke, nur wer sie wenigstens einmal selbst gemacht hat, weiß ihren Preis auch zu schätzen. Für mich ist die Entdeckung Pot Hot jedenfalls eine Bereicherung der Weimarer Gastronomie. Echte chinesische Küche hat hier bislang gefehlt.
Wer die Teigtaschen selbst ausprobieren möchte, findet hier das Rezept:






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